Was ist Zen?

 

 

Was ist Zen?

 

  

Durch Zazen lernen wir uns besser kennen, unsere Intuition wird verstärkt und entwickelt und wir können unserer Kreativität freien Lauf lassen. Der innere Raum wird erweitert und auf natürliche Weise kraftvoll und friedfertig, indem die Beziehung zu sich und seiner Umwelt wieder ins Gleichgewicht kommt. Zazen kann so zu einer Quelle der Verwirklichung der authentischen Berufung des Menschen werden.

 

Die Wurzeln von Zazen sind im Herzen der ältesten buddhistischen Tradition gewachsen. Aber es ist wie Quellwasser, das immer frisch entspringt und sich ständig erneuert. Es ist immer aktuell, ist immer lebendig und stellt sich jeden Moment wieder neu her. Zen ist weder eine Folgerung noch eine Theorie oder Idee. Es gleicht sich jedem neuen Ort an.

 

Das Geheimnis des Zen besteht darin, in einer Haltung tiefer Konzentration einfach zu sitzen, ohne Ziel und ohne Streben nach Nutzen. Dieses derart uninteressierte Sitzen nennt man Zazen, wobei Za "sitzen", und Zen "Meditation, Konzentration, Versenkung" bedeutet. Die Haltung, die Essenz des Zen, wird in einem Dojo, dem Ort der Übung des Weges, gelehrt. Das ist die Aufgabe eines Meisters, der in traditioneller Weise eingeweiht ist und der in der direkten Nachfolge der Patriarchen und des Buddha seht.
Die Ausübung des Zazen  hat eine sehr positive  Wirkung auf Körper und Geist. Sie führt beide züruck zu ihrem normalem Zustand. Zen kann weder in Begriffe gezwängt noch durch den Verstand wiedergegeben werden, man muss es vielmehr ausüben: Zen ist ganz wesentlich eine Erfahrung.

 

Meister Dogen, der im 13. Jahrhundert Zen in Japan einführte, sagte:
 

Zen zu ergründen bedeutet, uns selbst zu ergründen,
uns selbst zu ergründen bedeutet,
uns selbst zu vergessen,
uns selbst zu vergessen bedeutet,
die Buddhanatur, unsere ursprüngliche Natur, zu finden.
 
Zurück zum Ursprung. Uns selbst verstehen, uns wirklich kennen lernen, unser wahres Ich finden. Darin liegt die zeitlose Essenz aller Religionen  und Philosophien, die Quelle der Weisheit, das reine Wasser des Baches, der aus der regelmäßigen Übung des Zazen entspringt. Buddhanatur bedeutet: der natürliche und ursprüngliche Zustand unseres Geistes. Je mehr wir uns dieser normalen Bewusstseinstufe, diesem reinen Geist nähern, um so mehr können wir um uns herum eine strahlende, fruchtbare und wohltuende Atmosphäre schaffen.
Je mehr wir uns davon entfernen, und so mehr werden wir eine Beute unserer Umwelt.

Zen reicht an die höchste Weisheit, an die tiefste Liebe. Die Religion kann, von allem Formalismus gereinigt, den Geist der Liebe schenken. Die große  Weisheit ist ganz wesentlich die Rückkehr zum Ursprung, der Wahrheit des Universums, der Grundlage unseres Lebens, jenseits der Erscheinungsformen.
 

ZAZEN - DIE ZEN MEDITATION

Das Geheimnis des Zen ist die praktische Übung von Zazen.

Wenn man Zazen regelmäßig übt ist es sehr wirksam für die Erweiterung des Bewusstseins und die Entwicklung der Intuition. Zazen setzt nicht nur große Energien frei, sondern es ist auch und gerade die Haltung der Erweckung. Während man übt, darf man nicht etwas erreichen wollen. Ohne Zweckgerichtetheit ist es allein Konzentration auf die Haltung von Körper und Geist  und auf die Atmung.

 

ZAZEN -Die Haltung

Man sitzt auf der Mitte des runden Kissens (Zafu) und kreuzt in der Lotus- oder Halblotusstellung. Wenn beides unmöglich ist und man die Beine nur kreuzt, ohne einen Fuß auf den Oberschenkel des anderen Beines zu legen, sollten die Knie dennoch einen Kontakt zum Boden haben. Der Rücken ist gerade und die Wirbelsäule ist nach oben gedehnt, so als wollte man mit dem höchsten Punkt des Kopfes den Himmel berühren. Das Becken ist leicht nach vorne geneigt, so dass man auf natürliche Weise mit den Knien gegen den Boden drückt. Das Kinn wird zurückgezogen  und der Nacken gut gestreckt. Der Bauch ist entspannt und die Nase steht  in senkrechter Linie über dem Nabel.  Wir praktizieren diese Haltung mit Energie und gleichzeitig mit Feingefühl.
Während einer Einführung werden die Einzelheiten der Haltung erklärt. Sie wurden so seit dem ursprünglichen Buddha weitergegeben. Durch diese Anweisungen können wir den Körper und den Geist in die optimalen Bedingungen der Aufmerksamkeit, des Ruhe und der Stabilität versetzen. 
 

ZAZEN - Die Atmung

Sie spielt eine ganz wesentliche Rolle. Sie zielt in erster Linie darauf ab, einen  langsamen, kraftvollen und natürlichen Rhythmus zu schaffen. Sie ist ruhig, sanft, geräuschlos und tief. Wir beobachten die Atmung, folgen ihr, versuchen aber nicht, einzugreifen.

 

ZAZEN - Die Haltung des Geistes

Die richtige Atmung kann nur aus einer korrekten Haltung hervorgehen. Gleichermassen ergibt sich die Haltung des Geistes auf natürliche Weise aus der tiefen Konzentration auf die Körperhaltung und die Atmung. Durch die Übung des richtigen Atmens können alle nervlichen Belastungen ausgeglichen werden, Instinkte und Leidenschaften können  gemeistert werden und die geistige Aktivität kann kontrolliert werden. Der Blutkreislauf im Gehirn wird merklich verbessert. Die Gehirnrinde erholt sich und der bewusste Gedankenfluss hält inne, während das Blut die tiefen Schichten durchdringt. Derart besser versorgt, erwachen diese aus ihrem Halbschlaf und ihre neue Aktivität bewirkt ein Gefühl von Wohlbefinden, Heiterkeit und Ruhe, ähnlich wie in tiefem Schlaf und doch ganz und gar wach.
Das Nervensystem ist entspannt, der Hirnstamm, Thalamus und Hypothalamus, in voller Aktivität. Man ist durch jede einzelne Zelle des Körpers hindurch in höchstem Grade aufnahmefähig und aufmerksam. Man denkt unbewusst mit dem ganzen Körper, jede Dualität, alle Gegensätze sind überwunden, ohne dass man dazu Energie aufbringen müsste.

 

HIER UND JETZT

ist der Schlüsselbegriff überhaupt: das Wichtigste ist die Gegenwart. Die meisten unter uns haben die Neigung, ängstlich an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken anstatt ihre volle Aufmerksamkeit ihren augenblicklichen Handlungen, Worten und Gedanken zu widmen. Man muss in jeder Bewegung vollständig gegenwärtig sein: sich Hier und Jetzt konzentrieren – das ist es, was Zen zu lehren hat. Das ist eine tiefe Philosophie. "Hier und Jetzt" bedeutet, ganz bei dem zu sein, was man gerade tut, und nicht an die Vergangenheit oder Zukunft zu denken und dabei den gegenwärtigen Augenblick zu vergessen.
Meister Deshimaru sagte: "Wenn ihr nicht Hier und Jetzt glücklich seid, werdet ihr es nie sein".

 
ZEN und Alltag

Meister Dogen sagte im 13. Jahrhundert:  Wenn wir während aller Handlungen des Alltags im Zustand der Konzentration, den wir durch die Zen-Praxis erlangt haben, verweilen können, wenn wir die wahre Freiheit des Geistes und den inneren Frieden gefunden haben, dann werden wir das Leben lebenswert finden. Das ist das höchste Glück, das ist die Vollkommenheit des Zen, das ist das Ziel des Zen.

Im modernen Leben werden die Dinge  schnell kompliziert und schwierig. Zen im Alltag bedeutet, sie zu vereinfachen, indem man zur bereichernden  Einfachkeit des  Menschen zurückkehrt. Unser Körper ist immer im Hier und Jetzt, in Einheit mit dem gesamten Universum. Einzig der komplexe Geist wird durch den unaufhörlichen Gedankenstrom, durch die Sorgen, durch Vorhaben, Bedauern, Eindrücke und Gefühle davongetragen.
Den Zen-Weg im Alltag zu praktizieren ist sehr einfach. Man verhält sich in jedem Moment, so als wäre es der wichtigste oder der letzte Moment. Auf diese Weise werden wir eins mit unserem Körper.

 

MUSHOTOKU - Ohne Ziel und Gewinn

Eine der Hauptursachen der gegenwärtigen  Krise ist die Habgier und die Gier im Allgemeinen.
Das Zen-Prinzip « Mushotoku » bedeutet « Mu« = Verneinung und « Shotoku«  = Gewinn.
Die Schüler sollten weder die Weisheit noch das Glück ersehnen.
Meister Dogen sagte: « Wenn ihr die Hände geöffnet haltet, wird der gesamte Sand der Wüste durch eure Hände fließen. Schließt ihr die Hände, so haltet ihr nur ein paar Sandkörner darin fest« .

 

Loslassen - das Ego aufgeben

Im Alltag braucht der Mensch sein Ego, seine Identität. Ist er aber dem Ego zu sehr verhaftet, kann dies zu zahlreichen Problemen führen und Schaden verursachen.
Durch Zazen, die Zen-Meditation, können wir besser loslassen. Die Gedanken können vorbeiziehen, der Geist kann sich neu formieren, man kann Distanz zu seinem Ich einnehmen und ein neues Leben entdecken.
Durch das Loslossen kann der Mensch zu einer weiteren und freigiebigeren Dimension gelangen. Zazen ist wie in eine unergründliche Leere eintauchen. Wenn man auch nur an einer Vorstellung über Zazen festhält ist dies, als klammere man sich an einen Ast und möchte dabei aber eigentlich frei durch die Lüfte  fliegen.
Zen ist keine Selbstkasteiung. Meister Deshimaru sagte: « Durch Zen werden die Wünsche und Verlangen des Menschen zur höchsten Ebene erhoben. Und dies nicht nur im Bewusstsein des Menschen sondern der gesamten Menschheit ».

 

DER WEG DER STILLE

Zen ist Erziehung in Stille.

In der Stille erhebt sich der unsterbliche Geist und wortlos kommt die Freude.

Die moderne Erziehung räumt der Sprache und der Diskussion den wichtigsten Platz ein, doch oft drücken die Worte nicht den wahren Geist oder die tiefinnerste Haltung aus. Die Sprache ist fast immer unvollständig. Die Stille ist unser tiefes Wesen. In Stille sein heißt, zum Ursprung des Wesens des Menschen zurückzukehren. Die Stille wiederzuentdecken heißt, aus der Stille heraus zu sprechen. Die Sprache wird tief, die Worte wahrhaftig.

 

DIE ERWECKUNG (SATORI)

Wir sind immer versucht, auf der einen Seite die Illusionen und auf der anderen die Erweckung (Satori) zu sehen. Nun, was ist SATORI?
Satori ist vor allem  kein besonderer Zustand sondern die Rückkehr des Menschen zu seinem normalen, ursprünglichen Zustand, bis in jede seiner Körperzellen. Man kann Satori von niemand anderem lernen oder bekommen, man muss es selbst erfahren.

 

Alleine praktizieren? Geht das?

Alle diese Hinweise und Empfehlungen zielen nicht darauf ab, zu einer zurückgezogenen und einsamen Praxis zu ermuntern. Die Zen-Meditation wird normalerweise mit erfahrenen Schülern in einem Zen-Dojo praktiziert. Die Energie und die Erfahrung kommt durch die Wechselbeziehungen allen zugute. Das verhält sich  so seit den Ursprüngen des Zen. Alle Meister der Weitergabe haben mit einem Meister und mit der Sangha, der Gemeinschaft der Übenden praktiziert.
Es ist nicht wirklich von Interesse, Zazen alleine zu praktizieren. Das ist, als wolle man auf einem behelfsmäßig zusammengezimmerten Floß den Ozean überqueren. Man wird nicht weit kommen. Das Dojo, die Sangha sind der Ozeandampfer, der uns sicher durch alle Gefahren bringt.
Das Wesen der Meditation kann nur von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Alle schriftlichen Erklärungen und Vertiefungen können nicht den wahren Geschmack vermitteln. Wird über lange Zeit alleine und ohne Anleitung meditiert, kann dies selbst körperliche oder geistige Probleme zur Folge haben.

 

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